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Community Building, Kulturelle Wirkungsdimensionen & Mission Statement

27 August, 2018 Veröffentlicht von

Die US-amerikanische Literatur zu Kulturmanagement beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Thema des Community Building. Ich stelle hier die Konzepte, Ansätze und Erfahrungen aus einigen Werken vor: Nina Simon The Art of Relevance (2016), Donna Walker-Kuhne Invitation to the Party (2005) und Doug Borwick Building Communities not Audiences (2012) und verbinde sie mit den KULTURELLEN WIRKUNGSDIMENSIONEN, die in den AUDIENCING Labs im Frühjahr 2018 entwickelt wurden.

Community Building und Kulturelle Wirkungsdimensionen

Entlang der Kulturellen Wirkungsdimensionen definieren Kulturbetriebe ihre Wirkungsziele. Diese sind die Grundlage für das Mission Statement. Wirkungsziele machen den Kulturauftrag sichtbar und ermöglichen es, anhand von Indikatoren Veränderungsprozesse im Zeitablauf abzulesen. Will ein Kulturbetrieb Diversität und Community Building umsetzen, so kann er dafür konkrete Ziele entlang der KULTURELLEN WIRKUNGSDIMENSIONEN formulieren und entsprechende Indikatoren festlegen. An die Definition von Zielen und Indikatoren schließen sich konkrete Maßnahmen an, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen. Das Thema Diversität lässt sich somit im Zielsystem des Kulturbetriebs verankern und spiegelt sich auch im Mission Statement wider.

Wie bringt man outsiders in the room und macht sie zu insiders?

Walker-Kuhne versteht unter new audiences vor allem People of Color. Audience Development ist für sie ein Ansatz, um diese anzusprechen. „The term community has become a euphemism for the non-traditional arts audience, wheter in terms of class, race, ethnicity, or age.“ (Borwick 2012: S.83) Nina Simon spricht von insiders und outsiders. Insiders sind jene Menschen, die in den Kulturinstitutionen sind: entweder weil sie dort arbeiten oder diese besuchen. Outsiders sind die Menschen, die nicht in den Institutionen sind. Das Ziel von Community Building ist es, outsiders zu insiders zu machen und sie in the room – also die Kulturinstitution – zu bringen. Jeden Raum betritt man durch eine Türe. Insiders kennen die Türen und treten leicht ein. Sie benutzen immer wieder dieselben Türen, werden von ihresgleichen empfangen und wissen, wer und was sich in the room befindet. Outsiders kennen oder sehen die Türen nicht. Die Menschen an der Türe und in the room sehen anders aus und sprechen andere Sprachen. Sie fühlen sich nicht angesprochen und eingeladen. Sie gehen weiter.

4-Schritte-Programm zum Community Building von Nina Simon

Nina Simon beschreibt ein 4-Schritte-Programm zum Community Building (Simon 2016: S.99):

  1. Define the community or communities to whom you wish to be relevant. The more specific the definition, the better.

In diesem ersten Schritt stecken neben der Vision, die Institution zu öffnen und damit zu verändern, vor allem die Zielfindung und die Nicht-Besucherforschung. Wen wollen wir ansprechen? Wer ist Teil der Bevölkerung und outsider? Wen möchten wir zusätzlich in unser Theater, Museum, unsere Bibliothek, unser Festival, Orchester et cetera einladen? In Bezug auf die Kulturellen Wirkungsdimensionen bewegen wir uns hier in der Dimension der KundInnen und NutzerInnen. Ich füge noch die Dimension Finanzen hinzu, denn ohne finanzielle Ausstattung lässt sich Community Building nicht umsetzen.

Um outsiders in den Raum der Kulturinstitution zu bringen, braucht es die Einsicht, dass man als insider zuerst einmal rausgehen muss, um outsiders und deren Räume kennenzulernen, um zu wissen, was sie brauchen, was sie beschäftigt, wie sie ticken. Doug Borwick spricht an dieser Stelle von inreach. Inreach ist das Betreten eines neuen Raumes, das Erkunden von unbekanntem Terrain – um zu bleiben. „The foundation of effectice community engagement for arts organizations is a mindset that the engagement will be a process in which the institution works with the community, not for it.“ (Borwick 2012: S.102) „The most powerful way to gain access to a new community is not by creating programming or marketing campaigns you think might fit their interest. Instead it starts with networking. (…) You just need to go outside. Meet people in your community of interest.“ (Simon 2016: S.91) „All art is an expression of its culture. The history of much artistic expression worldwide is participatory, inclusive, and community-based.“ (Borwick 2012: S.16)

Diese Gedankengänge betreffen die Dimension der Kulturellen Bildung und Partizipation. Partizipation im Entwicklungs- und Entscheidungsprozess ist das Kernelement von Community Building. Community Building hat mit Kommunikation und Beteiligung zu tun. Wohingegen das klassische Audience Development für bestehende Angebote neue Besucherschichten ansprechen möchte. Was auch immer Ihr Fokus ist, in der Dimension Kulturelle Bildung und Partizipation legen Sie die Ziele dafür fest.

  1. Find representatives of this community – staff, volunteers, visitors, trusted partners – and learn more about their experiences. If you don’t know many people in this community, this is a red flag moment. Don’t assume that programs that are relevant to you or your existing audiences will be relevant to people from other backgrounds.
  2. Spend more time in the community to whom you wish to be relevant. Explore their events. Meet their leaders. Get to know their dreams, points of pride, and fears. Share yours, too.

Die Kulturinstitution muss an dieser Stelle also new doors schaffen oder, nach Donna Walker-Kuhne, new points of entry. New doors, die man zusätzlich zu den bereits existierenden in die Wand schlägt und die nun so aussehen, dass outsiders sie gut erkennen und nicht mehr länger übersehen können. Um zu wissen, wie man das am besten macht, braucht man guides, denn zur Entdeckung und Erkundung neuer Welten bedarf es irgendeiner Art von Kompass: ein Komitee aus community ambassadors, MitarbeiterInnen oder Vorstandsmitglieder aus der Community, Fokusgruppen mit Menschen der gewünschten Community oder ein Hineingehen in die Community und direktes Kennenlernen. Mit diesem neuen Wissen werden new points of entry durch diverse MitarbeiterInnen, durch Marketing, Sprache, Kommunikation, Vermittlung et cetera geschaffen. Wir befinden uns für diese Schritte in den Dimensionen Kooperationen und MitarbeiterInnen.

  1. Develop collaborations and programs, keeping in mind what you have learned.

Community Building beruht auf Kooperationen und Vernetzung. Es geht um die Verschränkung mit den Menschen und Institutionen, die man zusätzlich erreichen will. Und es kann in weiterer Folge sein, dass neue Türen nicht genug sind. Sie sind vielleicht attraktiv und einladend, der Raum dahinter jedoch nicht, weil das Erlebnis kein gutes oder relevantes ist. Dann geht es im nächsten Schritt darum, den Raum zu verändern oder neue (zusätzliche) Räume zu schaffen – in Form von neuen Programmangeboten und/oder Formaten. Hier ist die Dimension Programme und Formate betroffen.

Brücken bauen als Ergebnis institutioneller Veränderungsprozesse

Mit der Schaffung zusätzlicher und neuer Räume hat sich die Kulturinstitution nicht mehr nur geöffnet, sondern sie hat einen institutionellen Veränderungsprozess vollzogen. Nina Simon nennt als Ziel für ihr Museum, das Santa Cruz Museum of Art & History, social bridging – Brücken zwischen unterschiedlichen Menschen zu bauen, Begegnungs- und Kommunikationsräume zu schaffen. Orte, an denen sich Menschen treffen, die sich sonst nie begegnen würden. Ich nenne das Agora – in Analogie zum Marktplatz der griechischen Antike: ein Raum, in den jeder Mensch gehen, teilhaben und sich austauschen kann unabhängig von Herkunft, Staatsangehörigkeit und sonstigen demokratischen Mitbestimmungsmöglichkeiten.

Mit Wirkungszielen und Mission Statement Veränderungsprozesse steuern

Mit der Abbildung im Mission Statement Ihrer Kulturorganisation können Sie die Ziele und Veränderungsprozesse besser steuern und im Zeitablauf evaluieren. Ihre Kulturorganisation ist wirksamer und die Legitimation erhöht sich. AUDIENCING unterstützt Kulturbetriebe bei der Definition von Wirkungszielen und Mission Statement inkl. Indikatoren und Umsetzungsmaßnahmen. Mit dem Dialogprojekt „Let`s Talk Diversity“ bringt AUDIENCING Ihren Kulturbetrieb in Kommunikation mit Communities und schafft einen Raum für Partizipation und Beteiligung.


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