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Dialograum AUDIENCING Lab: Ergebnisse von „Let’s Talk Diversity!“

12 Dezember, 2018 Veröffentlicht von

Im November 2018 fanden die beiden AUDIENCING Labs Let’s Talk Diversity! in Wien und Berlin statt, mit denen ich einen Dialograum zwischen Kulturinstitutionen und Vertreter*innen von Communities geöffnet habe. Mein Dank gilt meinen Kooperationspartnerinnen Ümit Mares-Altinok (Kultur & Gut) und Julia Haebler für ihre Kontakte in die Communities. Die Lernebenen waren vielfältig: Migrationserfahrung scheint als Begriff akzeptierter zu sein als Migrationshintergrund. Der Begriff Migrationshintergrund wird als abwertend erlebt, vor allem wenn jemand schon z.B. in Deutschland geboren wurde. Migrationserfahrung greift auf ein konkretes persönliches Erleben zurück und stellt keine Ahnenforschung an „Wo sind die Eltern geboren?“. Menschen mit Migrationserfahrung verfügen über mehrere Perspektiven. Sie bewegen sich nach Meinung der Teilnehmer*innen zwischen unterschiedlichen Welten und sind multiperspektivisch.

Die Communities an sich sind nicht homogen. So ist beispielsweise die afghanische Community in Wien in sich divers. Konflikte aus dem bürgerkriegsgebeutelten Land setzen sich in Österreich fort und es gibt somit unterschiedliche Gruppierungen. In Wien gibt es ein vielfältiges Vereinsleben, in dem sehr gut besuchte Konzerte, Feste und Sportevents organisiert werden. Das Kulturnutzungsverhalten von Frauen und Männern ist unterschiedlich und Frauen sind leichter für (frauenexklusive) Kulturangebote anzusprechen. Die Angebote der Kulturinstitutionen sind in der Community wenig bekannt und es braucht konkrete Gesichter z.B. in Form von Vermittler*innen, um die Kulturinstitution zu repräsentieren. Wichtig sind langfristige Beziehungen und keine einmaligen Projekte.

In Berlin wurde klar wie wichtig Influencer für den Zugang zu Communities sind: Künstler*innen selber sind wichtige Influencer, da sie über ein großes Netzwerk verfügen. Kommt man aus Syrien neu nach Berlin, braucht man die Community nicht suchen, denn diese ist schon da und die Vernetzung findet automatisch statt. Sprache ist gerade für neu angekommene Menschen eine große Barriere und der Wunsch nach Angeboten – auch bei Partizipationsprojekten – in der Muttersprache oder nach Kunstformen ohne Sprachbezüge ist groß.

Klar wurde in beiden AUDIENCING Labs: Es sind die Themen über die eine Ansprache erfolgen muss und diese müssen mit den Lebenswelten zu tun haben und/oder über beteiligte Künstler*innen passieren. Wenn die Inhalte relevant sind, dann findet ein Besuch statt. Diese Tatsache bedingt jedoch einen Perspektivenwechsel von Seiten der Institutionen: Die inhaltlichen Interessen der Kulturinstitution in die Welt zu setzen und im zweiten Schritt an Vermittlung zu denken, scheint für Community Building nicht zu funktionieren. Wenn die Lebenswelten und Interessen der Menschen ex ante einbezogen werden, dann braucht es im Grunde genommen keine Vermittlung ex post.


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