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Festivalleiterin bringt beim Berliner Theatertreffen die Männerquote zu Fall

2 Mai, 2019 Veröffentlicht von

Das Berliner Theatertreffen bringt für die Jahre 2020 und 2021 die Männerquote zu Fall und führt eine Frauenquote ein. Von zehn ausgewählten Theaterproduktionen müssen fünf von Regiesseurinnen stammen. „Ich dachte lange, es geht auch ohne Quote. Aber ich habe einfach gemerkt: Es ändert sich nichts.“, sagt Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer (Die Presse vom 30.04.2019). Und damit sind wir mitten drin im Thema Diversität in Bezug auf das Geschlecht. An der Bastion Männerquote wird gekratzt!

Der Deutsche Kulturbetrieb ist in seinen Strukturen weiß und männlich. So kommt die 2016 erschienene Studie „Frauen in Kultur und Medien“ zu folgenden Ungleichverhältnissen (alle Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2014): Theater werden zu 78%, Kunstmuseen zu 66%, Fachmuseen zu 77%, die Staatlichen Museen zu Berlin zu 69% und Rundfunk- und Sinfonieorchester zur Gänze von Männern geleitet. Regie wird zu 70% von Männern geführt, auf der Großen Bühne sogar von 78%, obwohl der Männeranteil unter den Regie-Studierenden bei nur 31% liegt. Einladungen zum Berliner Theatertreffen ergehen zu 88% an regieführende Männer, der Anteil der Autoren bei den Mühlheimer Theatertagen liegt bei 71%, der der Preisträger bei 76%. 70% der auf der Art Cologne gezeigten Künstler sind männlich. Autorschaft und Text ist im Schauspiel zu 76% und bei Opernkompositionen zu 93% in männlicher Hand. Der deutsche Kulturbetrieb ist in seinen Leitungsstrukturen und bei den gespielten Inhalten eindeutig männlich dominiert. „Wir haben eine unsichtbare Quote – die Männerquote.“ (Die Bühne, Jänner 2019: 22).

Von Perspektivenvielfalt in Bezug auf Geschlecht und ein Abbild realer Geschlechterverhältnisse ist in diesem hochsubventionierten System – außer beim überwiegend weiblichen Publikum – kaum etwas zu spüren, obwohl laut Deutschem Kulturrat „Geschlechtergerechtigkeit ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der kulturellen Vielfalt ist, denn: Diversität hebt die künstlerische Qualität.“ Für die Besetzung von Gremien und Beiräten empfiehlt der Deutsche Kulturrat die Einführung einer Quote. Der Gender Pay Gap ist auch im Kulturbereich ungebrochen.

In Österreich sieht es nicht viel besser aus: In der Spielzeit 2017/18 stammten von 149 Wiener Inszenierungen nur 44 von Frauen und davon die meisten in den Nebenspielstätten. 89% der Stücke wurden von Männern geschrieben. Das Publikum ist mit Klassikern konfrontiert, „die historische Geschlechterbilder aus männlicher Sicht reproduzieren“, so die Regisseurin Berénice Hebenstreit, die die Studie erstellt hat. Und: „Das Publikum hat ein Recht auf Geschichten aus unterschiedlichen Erzählperspektiven, Wissens- und Erfahrungsräumen.“ Auch bei den Stoffen sieht man ein deutliches Missverhältnis“, sagt Büdenhölzer. „Schaut man sich den klassischen Kanon an, sind überwiegend Stücke zu finden, in denen Männern die Hauptfiguren zugesprochen werden.“ Unter den Klassikern seien weiblich dominierte Stücke wie „Maria Stuart“ oder „Drei Schwestern“ Ausnahmen. „Frauen tauchen in vielen klassischen Stücken vor allem als Ehefrau, Mätresse, Dienstmädchen, Hure oder Botin auf.“ (Die Presse vom 30.04.2019).

Und deshalb: Gratulation an Yvonne Büdenhölzer für ihre Entscheidung die Männerquote beim Berliner Theatertreffen zu Fall zu bringen! Wer mehr zum Thema Diversität lesen will, dem/der empfehle ich mein neues Buch AUDIENCING Diversity 4.0.


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